Ich bin eine Fernsehjournalistin. Schon lange. Und als solche oft außerhalb Deutschlands unterwegs. Es ist ‘ ne Menge los auf der Welt. Ergo: der Sandmann Blog.
Was ich mache und wie ich es zu machen versuche …
Meine Wenigkeit beim Arbeiten, in diesem Fall in Haiti. Der Herr ohne Haare ist Tim Cothren, ein phantastischer Kameramann aus New York. Er ist Freelancer und ich kann ihn, gerade für etwas rauere Einsätze, nur wärmstens empfehlen. Aufgenommen hat das Bild mein überaus geschätzer Kollege Carsten Hädler.
So sahen unsere Live-Übertragungen aus. Viel braucht man dafür nicht mehr: Das Zeugs im Vordergrund auf dem Tisch, also einen Laptop, einen kleinen Satellitenspiegel, etwas Kabelage und natürlich einen Mann für die Kamera, in diesem Fall den unersetzlichen Jakob Bienheim, eine Person vor der Kamera und das war es. Was Art und Weise, sowie das Wie und Wie Genau der Berichterstattung in aus Haiti angeht, möchte ich in aller Bescheidenheit auf folgendes Interview hinweisen, dass das NDR-Magazin ZAPP mit einigen Kollegen und mir geführt hat.
Anderer Ort, anderes Thema. G8 Gipfel in l’Aquila. Maike Egger und Michael Faulhaber sind die Multitalente im Vordergrund. Geradezu göttlich beherrschen sie nicht nur das Drehen und Schneiden sondern auch die Finessen der gelungenen Live-Übertragung. Weniger göttlich die Beine, die unter der Bettdecke hervorragen und mir gehören. Ich kann diese etwas merkwürdige Position, die ich bei diversen Einsätzen häufig einnehmen muss, mit dem nächsten Bild erklären!
Es ist der so einfache wie effektive Weg in den oft halligen Hotelzimmern dieser Welt die Qualität der Tonaufnahmen zu verbessern. Die Bettdecke (vorzugsweise Daunen, aber ich habe es auch schon erfolgreich mit Polyacryl ausprobiert) ersetzt dabei die gut isolierte Tonkabine, die in den Sendern, aber leider nicht in den Hotels, zum Standard gehört. Ich habe mir sagen lassen, dass das Einschließen des Reporters in Einbauschränke ähnliche Ergebnisse hervorbringt!
Wenn es gar nicht anders geht, also wenn meine Kameramänner wahlweise krank, wütend auf mich oder einfach überarbeitet sind, versuche ich mich alleine in der hohen Kunst des Drehens. Auf dieser Reise in den Nordirak hatte ich gar keinen Kameramann dabei. Es ging einigermaßen gut… irgendwie geht es ja immer.
Vielleicht auch deshalb, weil meine freundlichen Begleiter -und zwar sowohl die im Vorder- als auch die im Hintergrund- mich nicht, nicht mal für eine Minute, aus den Augen gelassen haben. Dafür haben sie mir immer wieder rührend das Stativ hinterher getragen. Es gibt Dinge, die vergißt man nicht! Das Stativ gehört bei mir nicht dazu.
Und wenn es richtig gut läuft, dann wird man am Ende des Einsatzes ausgeflogen. In diesem Fall war die Jordanische Armee so freundlich, mich aus dem Libanon mitzunehmen. Das erspart gemeinhin eine Menge äußerst lästiger Grenzkontrollen, endlose Fahrten über Straßen, die ihren Namen nicht verdienen und die mühsame Feilscherei über Fahrpreise, die immer damit endet, dass alle beleidigt sind.
Um noch einmal eine etwas andere Farbe ins Spiel zu bringen. Hier berichte ich enthusiastisch über Barack Obamas Besuch in Prag. Das Problem an dieser Form von Berichterstattung aus meiner Sicht: Man ist zwar gebügelt, ausgeschlafen und nicht in Lebensgefahr, aber man ist nicht wirklich nah dran! Ganz hinten, oben links im Bild, genau da, wo der Turm ist, hielt sich der US-Präsident auf. Und ich war nicht etwa der einzige Idiot, der kilometerweit entfernt in berichterstatterische Stellung gegangen ist. Es waren die abstrusen Sicherheitsvorkehrungen des Secret Service, die uns an den Rand der Geschichte gedrängt hatten.
Bewegt und in Farbe sah das in den vergangenen Jahren folgendermaßen aus…
Geduld, Geduld, Video kommt …
Was ich manchmal so schreibe….
habe ich leider nicht immer unbedingt aufgehoben.
Es gibt jedoch Ausnahmen. Wie diesen Artikel, den der CICERO bei mir über die damals wohl gefährlichste Straße der Welt bestellt hatte. Anbei ein kleiner Ausschnitt:
Jedes Mal, wenn ich zum Baghdad International Airport muss, frage ich mich, ob ich die Fahrt überleben werde. Fast allen meinen Kollegen geht es so. Stephen Farrell, ein Freund und journalistischer Irak-Veteran von der London Times, umschreibt es so: „Du hast die Wahl zwischen drei Optionen. Es ist relativ wahrscheinlich, dass eine davon eintreffen wird. Entweder es wird auf dich gezielt geschossen, weil du Ausländer bist. Oder dein Fahrer kommt einem amerikanischen Militärkonvoi zu nah, der gerade angegriffen wird. Oder aber ein Selbstmordattentäter sprengt sich mit seinem Wagen neben dir in die Luft.“ Und da das alles nicht nur ab und an, sondern meist mehrmals täglich passiert, gilt die Flughafenstraße zurzeit als die tödlichste Strecke der Welt.
Sehr amüsant hingegen erscheint mir heute der eine oder andere Artikel, den ich 2009 über die Schweinegrippe in Mexiko verfaßt habe. Einer nannte sich “Katrin Sandmann allein im Hotel” und entsprach damit exakt meiner etwas merkwürdigen Situation in der Millionen-Metropole:
“Jetzt bin ich allein, gefühlt zumindest. Wann immer ich in den Fahrstuhl steige, um aus dem 18.Stock ins Erdgeschoß zu fahren – keine Menschenseele. Wenn ich die riesige Eingangshalle durchquere, die mit mehreren, ziemlich ausladenden Couchgruppen ausgestattet ist, ebenfalls keine Menschenseele. Offenbar haben es selbst die Hotelangestellten aufgegeben, den Schein der Geschäftigkeit noch aufrecht zu erhalten. Hinter der Rezeption ist Niemand zu sehen, im Zeitungsladen ist zwar die Tür offen, aber keine Verkäuferin weit und breit. Selbst am Eingang wacht Keiner mehr über das Kommen und Gehen, wozu auch, denn es gibt kein Kommen und gehen.”
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