Phantastisch, unbedingt kaufen, muss mit in die Ferien!
In aller Kürze: Im Laufe eines Jahrhunderts werden in diesem “Roman über den Hass in sechs Episoden” Amerikaner getötet und gleichzeitig töten sie. Auf – leider nur – 187 Seiten liefert der iranische Exilschriftsteller Amir Hassan Cheheltan eine präzise aber gleichzeitig auch irgendwie merkwürdig schwebende Analyse der Wurzeln des iranisch-amerikanischen Hasses. Dabei geht er weder mit den Amerikanern noch mit den Iranern besonders gnädig um. Es gibt wunderbare Episoden in dem Buch, zum Beispiel als ein iranischer Professor seinem amerikanischen Gesprächspartner bei einem Glas Whisky (!) an der Hotelbar in Teheran erklärt:
“Alle in diesem Land wollen Westler werden, sogar diejenigen, die den Westen verabscheuen. Dieser Wunsch, ihn zu vernichten, ist aus abgrundtiefem Neid erwachsen. Sie wissen, dass grenzenloser Neid in Hass umschlägt.”
Das kann man übrigens mehr oder weniger nahtlos auf so ziemlich alle Bewohner der USA-Hasser-Staaten übertragen, zmindest meiner Erfahrung nach. Ich war irgendwann in Gaza einmal auf einer Demo mit lautstarkem “Death to America” Gebrüll, dem Verbrennen zahlreicher amerikanischer Flaggen und der ganzen üblichen Folklore. Mitten drin fragte mich ein bedrohlich maskierter Hamas-Typ dann: “Are you CNN?” Und bevor ich nein sagen konnte, fragte er: “How can I get a visa for New York for me and my family?”
Sei es drum, auf jeden Fall erinnert mich das Buch an ein anderes kleines Meisterwerk, das ich denen, die es nicht kennen, auch gleich noch als gute Sommerlektüre empfehlen kann. “Der Fundementalist, der keiner sein wollte” von Moshin Hamid. Darin erzählt
ein junger Pakistani einem Amerikaner in einem Café in Lahore seine Lebensgeschichte: die eines ausländischer Gaststudenten in den USA, der trotz steiler Karriere nach dem 11. September, quasi wider besseren Wissens, zum Fundamentalisten wird. Ich habe selten ein unheimlicheres Buch gelesen, selten eins, das ich so faszinierend fand. Und “Amerikaner töten in Teheran” fälllt definitiv in die selbe Kategorie.
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