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Dogs of the State

Mai 30th, 2012 · No Comments · Kulturkrieger

Salafisten sind gegen Kunst, schreibt der Spiegel, genauer gesagt, zitiert der Spiegel den ägyptischen Regisseur Yousry Nasrallah. In dem kurzen Interview (Nr.22 / 26.5.12) geht es um die Zensurbehörden. Ja, so etwas gibt es in vielen Ländern, und Filmemacher, Schriftsteller, Journalisten oder Musiker haben ziemlich oft ziemlich viel Ärger mit den strengen Zensoren. Die Künstler im Iran, können ein trauriges Lied davon singen. Auf jeden Fall erzählt Yousry Nasrallah dem Spiegel, dass die Zensurbehörden in Ägypten im Großen und Ganzen okay sind, aber unter Druck stehen:

“Die Salafisten sind ja grundsätzlich gegen Kunst, die haben schon vorgeschlagen, Statuen unter großen Mengen von Wachs verschwinden zu lassen. Man könnte einen schönen Film darüber drehen, wie das Wachs schmilzt und die Statuen nach und nach wieder zum Vorschein kommen.”

Der Mann hat offensichtlich Humor und er hat recht. Dass Künstler den Super-Religiösen oder totalitären Regimen anderer Couleur ein Dorn im Auge sind, ist ein alter Hut. Erstaunlich finde ich nur, dass es dafür so wenig Aufmerksamkeit gibt. Denn sie stehen ziemlich mutig oft an forderster Front, wenn es darum geht, Missstände anzuprangern. Und sie gehen dafür ein hohes Risiko ein.

In Marokko ist gerade der Rapper Mouad Belghouat, besser bekannt als  “al-Haqed”, zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, weil er angeblich die Polizei beleidigt hat. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtete über den Fall: He “has been in pretrial custody since March 29 because of his rap song “Kilab ed-Dowla” (Dogs of the State), which denounces police corruption, and a YouTube video set to the song.” Der Rapper war im vergangenen Jahr schon einmal unter fadenscheinigen Gründen ins Gefängnis geworfen worden. Das youtube Video zeigt, wie seine Landsleute reagiert haben, als er das letzte Mal wieder rausgekommen ist. Kein Wunder, dass die Behörden Angst vor ihm haben. Kein Wunder ebenfalls, dass er bereits wieder im Gefängnis sitzt.

Ein Filmemacher aus Bagdad hat mir erzählt, dass man sein Leben riskiert, wenn man im Irak als Künstler offen seine Meinung äußert.
Und die meisten Künstler in Kabul haben mir unterm Strich etwas ähnliches berichtet. Der afghanische Exil-Schriftsteller Atiq Rahimi hat mit Karen Krüger in der FAS über die Bedeutung von Kunst und Kultur gesprochen.

FAS: Angenommen, Sie haben mit Ihrer These von der Bedeutung der Kultur recht, dann hätte die ausländische Intervention in Afghanistan ja den völlig falschen Ansatz. Deren Schwerpunkt liegt nicht auf dem Aufbau von Theatern, sondern eindeutig auf dem Militärischen.

Rahimi: Das ist ja auch falsch! Wäre das viele Geld, das für die militärischen Aktionen ausgegeben wurde, nur zu einem Bruchteil in den Wiederaufbau des kulturellen Lebens geflossen, dann wäre Afghanistan heute an einem anderen Punkt. Durch den Krieg haben die Menschen ihre Identität verloren, auch ihr Selbstvertrauen ist futsch. Sie wissen nicht mehr, welche Kultur die ihre ist, sie suchen danach. Es ist ungeheuer wichtig, dass die Richtigen sie dabei unterstützen. Die Afghanen müssen wieder verstehen, welch großer Reichtum in ihrer Kultur liegt. Sie müssen lernen, wieder stolz auf ihr Land zu sein.

Etwas Ähnliches hat mir kürzlich ein Afghane erzählt, der im Gegensatz zu Rahimi meistens in Kabul wohnt. Nach der Veröffentlichung seiner Äußerungen ist er per SMS mit dem Tod bedroht worden.

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