„Wissen Sie, ich habe praktisch kein Budget.“ Der Mann ohne Geld ist nicht irgendwer. Er ist der Kultur- und Informationsminister von Afghanistan. Dr. Sayed Makhdoom Raheen ist ziemlich klein, trägt am Mittelfinger einen auffallend großen, in Diamanten gefassten, Rubinring und wirkt irgendwie betrübt. Sein Büro unterhält er in einem gemütlichen und vor allem geheizten kleinen Haus auf dem Gelände des Staatsfernsehens in Kabul. Dr. Raheen ist auch noch für Jugend und Tourismus zuständig. Aber Touristen gibt es so gut wie keine, meint er, und es sieht auch wohl nicht so aus, als ob sie bald kämen. “Aber gerade habe ich gelesen, dass Ausländer in unseren Bergen Ski fahren.” Irgendwie erstaunlich, dass der Tourismusminister das aus der Zeitung erfährt, aber Schwamm drüber.
Dr. Jaheen also soll ohne Budget etwas für die Kultur seines Landes tun. Nur mal so zum Vergleich: der Kulturetat von Berlin soll bis 2013 auf 371 Millionen Euro wachsen. Der von ganz Afghanistan liegt nach Aussage des Ministers irgendwo um die Null.
Dr. Raheen ist vor allem dafür bekannt, dass er wie wild Lizenzen für private TV- und Radioanbieter vergeben hat, das nämlich kann er als Informationsminister. Und das hat immerhin dazu geführt, dass heute etwa 150 Radiosender und ca. 30 Fernstationen die Afghanen beglücken, so sie denn Fernseher oder Radios haben. „Stimme der Sharia“, also der Sender der Taliban, war gestern. Heute wird im Fernsehen gekocht und getanzt, es gibt „Wer wird Millionär“, es werden Superstars gesucht und natürlich gibt es eine ganze Menge Plasbergs, mit munteren politischen Debattensendungen.
Darauf ist der Informationsminister in Dr. Raheen sehr stolz, der Kulturminister in ihm hingegen ist leicht deprimiert.
Wenn er selber kein Geld hat, was ist dann mit der UNESCO, frage ich ihn. Er winkt ab. Was mit den ausländischen Botschaften? Er winkt wieder ab. Was etwas unfair ist, denn all die Goethe Institute, Französischen Kulturzentren etc. geben sich redliche Mühe, die Kunst zu fördern.
Wenn man aber in die staatliche Nationalgalerie geht, eine ehemals wunderschöne alte Villa, dann versteht man, warum der Mann wenig fröhlich wirkt. Die Villa ist ungeheizt – denn dafür ist natürlich kein Geld da. Sie ist auch ziemlich schlecht beleuchtet – denn dafür ist offenbar auch kein Geld da. Sie besteht aus einer leicht bizarren Sammlung von Ölschinken. Und der Direktor kann sich nicht daran erinnern, wann er das letzte Mal etwas hat ankaufen können. Kein Geld eben. Besucher übrigens gibt es auch keine, zumindest nicht an den beiden Tagen an denen Michael (Kameramann) und ich dort frierend durch die Flure gelaufen sind.
Die Politik, sagt mir der Kulturminister, der eigentlich Schriftsteller und Literaturexperte ist, macht überall den selben Fehler, sie versucht am Ende immer alles mit Waffengewalt zu lösen. „Die Politiker wollen einfach nicht begreifen, dass die besten Waffe gegen Terrorismus, Kunst und ein reges Kulturleben sind.“
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