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Es riecht nach Tod…

August 28th, 2010 · 1 Comment · GLOBALIST

Photo: Julie Dermansky

“Unerträglicher Geruch von verdorbenem Fleisch dringt aus dem geplünderten Supermarkt (…) Vergangene Woche haben hier mehr oder weniger verzweifelte Bürger alles mitgehen lassen, was die Regale so hergaben. Nur das Fleisch in den Kühltruhen fand keine Abnehmer. Auch die Plünderer hatten keinen Strom.”

Das habe ich vor 5 Jahren für den Rheinischen Merkur aus New Orleans geschrieben, etwa eine Woche nachdem dort die Dämme gebrochen waren.

Vollkommen fassungslos sind Joey Thomas, mein damaliger Kameramann,  und ich damals durch die überflutete Stadt gewatet. Fassungslos nicht etwa weil Hurricane Katrina ziemlich gewütet hatte, das war ja zu erwarten gewesen. Wir waren vielmehr fassungslos, weil wir beide nicht das Gefühl hatten, uns in den USA zu befinden.  Menschen zu begegnen, die nach einer Naturkatastrophe von ihrer Regierung vollkommen im Stich gelassen wurden, Menschen, die uns nach Wasser und Essen anbettelten, das gehörte in unserer Vorstellung überall hin, nur nicht in die USA. Wir konnten nicht fassen, dass die US-Regierung Tausende Menschen einfach sich selbst überließ.

Ich erinnere mich besonders an eine Szene. Es war etwa 2 oder 3 Tage nachdem das Wasser und die Kriminellen die Herrschaft über die Stadt übernommen hatten.  Da trafen Joey und ich, auf einer Hochstraße vor dem Superdome, in den die Menschen  sich gerettet hatten, in dem sie aber keine Hilfe bekamen, ein Grüppchen junger Menschen.  Die wollten raus. Eigentlich hatten sie beschlossen, den Sturm auszusitzen. (Augenscheinlich mit Hilfe einer Menge Alkohol und anderem Zeugs.) Drogen und Alkohol hin oder her,  die Yougsters waren noch klar genug, um zu begreifen, dass das Abenteur Hurricane sich gerade in einen Albtraum zu verwandeln drohte. Und sie zogen daraus ihre Konsequenzen. Sie gingen. Nur kamen sie nicht weit. Denn mittlerweile hatte die Nationalgarde zwar beschlossen, aufzumarschieren, aber nicht zu helfen. Dafür hielten die Männer in Uniform aber sehr entschlossen die auf, die sich noch selbst helfen konnten. Das war, glaube ich, der Tag, an dem der damalige Präsident Bush seinem obersten Katastrophenhelfer bescheinigt hatte, ‘nen wirklich tollen Job zu machen’.

Mir fallen so viele unglaubliche Geschichten aus New Orleans ein. Und so viele Bilder. Viele davon finden sich in der NBC-Reihe über die Stadt, 5 Jahre nach der Katastrophe. Die Bilder sind phantastisch. Die Geschichte, die da erzählt wird eigentlich auch. Nur die Eitelkeit des Anchors Brian Williams nervt ziemlich. So gefährlich wie er es darstellt, war es übrigens auch nicht.  Natürlich sind drogenabhängige junge Menschen, die  Apotheken plündern, den Inhalt der Regale in sich hineinschütten, um dann die Waffengeschäfte auszuräumen angsteinflößend.  Sehr angsteinflößend sogar. Trotzdem konnte man als Journalist in der Stadt arbeiten ohne ständig bedroht zu werden. Egal, was die Jungs von NBC da gesammelt haben, ist sehenswert:

An dieser Stellle wage ich es, noch einmal darauf hinzuweisen, dass ich schon vor geraumer Zeit ( am 8. Juni, um genau zu sein) auf Dave Eggers phantastisches Buch ZEITOUN hingewiesen habe. Wer wissen möchte, wie es vor 5 Jahren in New Orleans gewesen ist, und was sich die Regierung an Blödsinn ausgedacht hatte, um ihr Bürger zu verdächtigen, ihnen aber auf keinen Fall zu helfen,  der sollte dieses Buch kaufen und dann auch möglichst lesen.

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One Comment so far ↓

  • Rattana

    Hi Katrin,
    bin mit meiner Tochter auf dem Reiterhof und vertreiben mir die Zeit mit Deinem Blog! Sehr schön zu lesen – weiter so!
    Ciao, Rattana

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